Heute schon geölt?
Ölanwendungen im Ayurveda
Öle haben die Eigenschaft, den Menschen ein zu hüllen und ihm ein Gefühl von tiefer Geborgenheit zu vermitteln. Im Ayurveda werden ganz gezielt medizinierte Öle angewendet. Aber warum?
In der Ayurveda Medizin ist eine der Therapieansätze die Anwendung mit medizinierten Ölen deren Wirkstoffe über die Haut aufgenommen werden.
Physiologie der Haut im Ayurveda
Für die Resorption über die Haut ist das Subdosha “Brajaka Pitta” zuständig. Die Haut wird im Ayurveda “Tvak” genannt und ist ein Nebengewebe (Upadhatu) welches in der Bildung des 3. Gewebe (Mamsa Dhatu | Muskel-Fleisch) entsteht. Weiterhin steht die Haut unter starkem Eifluss von Rasa Dhatu (Blutplasma) und Rakta Dhatu (rote Blutzellen).
Medizinische Eigenschaft von Ölen
Unsere Zellen im Körper sind von einer Zellmembran umgeben welche unter anderem aus Phospholipiden besteht. Diese Lipiddoppelschicht ist Semipermeabel (Halbdurchlässig). Somit können Öle (Fette) durch die Zellmembran eindringen und fettlösliche Toxine aus den Zellen lösen. Diese werden dann in den Magen-Darm Trakt weitergeleitet wo sie ausgeleitet werden können.
Ayurvedische Eigenschaft von Ölen
Öl hat im Ayurveda die Eigenschaft “snigdha” (geschmeidig, ölig). Aber auch das Element Wasser ist im Öl enthalten und Wasser hat eine bewegende Eigenschaft. Es kann somit die Toxine aus den Zellen in den Magen-Darm Trakt bewegen.
Schon in der 2000 Jahre alten „Caraka Samhita“, dem Kernstück der traditionellen Literatur des Ayurveda, steht: „Wird ein Gefäß gefettet, dann kann dessen Inhalt leicht herauskommen. Gleichermaßen können die drei Krankheit verursachenden Faktoren Vata, Pitta und Kapha den geölten Körper leichter verlassen.“
Herstellung der medizinierten Öle
Medizinieren bedeutet im Ayurveda, dass der Grundölsubstanz pflanzliche Wirkstoffe beigefügt werden, um eine ganz gezielte und stärkere Wirkung zu erreichen als nur mit einem Fett|Öl alleine. Es werden verschiedenste pflanzliche Wirkstoffe beigefügt in Form von Pflanzenpasten, Pflanzenpulver und Flüssigkeiten wie Dekokte, Milch oder Wasser. Es können in einem Öl bis zu 30 und mehr verschiedene Kräuter verkocht werden und die Zusammensetzung erfolgt nach klassischen Rezepturen die nach Familientraditionen und Regionen variieren. Auch ist das medizinieren ein sehr langwieriges und komplexes Verfahren indem mit einem langen Kochprozess die Molekularstruktur der Öle verändert wird, damit diese noch besser aufgenommen werden können.
Für die innere Einnahme der Öle wird eine geringere Kochzeit benötigt. Beim Kochen wird Agni (Feuer) beigefügt und das Agni in den Schleimhäuten ist schon recht hoch. Daher werden die Öle für orale Anwendung weniger lange gekocht um das Agni im Mund nicht zu sehr zu erhöhen.
Nutzen der Ölanwendungen
Die meisten Störungen und Krankheiten entstehen durch ein erhöhtes Vata Dosha (Äther|Luft Element). Vata hat die Eigenschaften “rauh, trocken, kalt, unschleimig, leicht, beweglich” und kann durch die öligen, schweren Eigenschaften des Öls reguliert werden. In unserem Lebenszyklus befinden wir uns ca ab dem 40. Lebensjahr in der Vata-Phasa. Das heisst, dass sich bei jedem Lebewesen die Trockenheit und Rauheit erhöht und somit die Degeneration von Knochen, Geweben und Strukturen fördert. Eine trockene und kranke Haut kann ebenfalls ihre Schutzfunktion nicht mehr aufrecht erhalten gegen eindringende Bakterien und anderen Krankheitsfaktoren. Mit den Ölanwendungen kann dem entgegen gewirkt werden.
Die Öle wirken durch den umhüllenden|einhüllenden Effekt intensiv balancierend auf die Psyche. Sie vermitteln ein Gefühl von Urgeborgenheit und Ausgeglichenheit.
In diesem Sinne: Hast DU dich heute schon geölt?
Herzlichst eure
Rebekka Heckendorn